Die Grundannahmen der Bedürfnisorientierung

In der bedürfnisorientierten Pädagogik wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch lebt, um sich Bedürfnisse zu erfüllen – körperliche und seelische Bedürfnisse. Das bedeutet, ein jedes Verhalten macht Sinn und ist ein Versuch, sich Bedürfnisse zu erfüllen. Wenngleich jeder Mensch die gleichen Bedürfnisse hat, sind die Strategien, die zur Erfüllung führen sollen, sehr unterschiedlich und manchmal schwer nachzuvollziehen. So ist es beispielsweise nicht immer gleich ersichtlich, warum ein Kind, das Kontakt sucht, mit Bausteinen wirft. 

Die Bedürfnisse aller Beteiligten sind wichtig

Es besteht im Zusammenhang mit der Bedürfnisorientierung oft der Irrglaube, dass nur die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt stünden. Dem ist nicht so. Es geht um die Bedürfnisse aller Beteiligten – der Kinder, Eltern und Fachkräfte. Nur so kann echte Empathie entstehen, gleichwürdig Kompromisse gefunden und Grenzen nachvollziehbar kommuniziert werden.

Der Unterschied zwischen Wunsch und Bedürfnis

Bedürfnisorientiert zu handeln bedeutet nicht, dass einem jeden Kind alle Wünsche erfüllt werden müssen. Denn es besteht ein wichtiger Unterschied zwischen Wünschen und echten Bedürfnissen. Dennoch ist es wichtig, die Bedürfnisse hinter einem Wunsch zu verstehen. Auch wenn ein Wunsch ausgeschlagen werden kann, ist es die Aufgabe der Erwachsenen, die dadurch entstehenden Gefühle zu begleiten, die tatsächlichen Bedürfnisse zu benennen und Lösungen zu finden.

Alle Gefühle dürfen sein

Die Wahrnehmung und Annahme von Gefühlen spielt in der Bedürfnisorientierung eine wichtige Rolle. Gefühle werden als wichtige Signalgeber verstanden, die auf Bedürfnisse hinweisen. Es wird der Versuch unternommen, Gefühle nicht zu bewerten, sie nicht als gut oder schlecht einzustufen, sondern sie anzunhemen und (auszu-)halten.

Die Wahrnehmung der Bedürfnisse ist wichtiger als die Bedürfniserfüllung

Viel wichtiger als jedem Kind kontinuierlich seine Bedürfnisse zu erfüllen, ist es, die Bedürfnisse zu benennen. Ein Kind, das sich bei einer Fachkraft beschwert weil ihm die Schaufel weggenommen wurde, hat nicht unbedingt den Wunsch, die Schaufel wieder zu bekommen. Vielmehr möchte es gesehen werden mit seinem Ärger und dem, was gerade da ist.